Religiös sein heißt friedlich sein

Leserbrief zum Morgengedanke SWR4, Sonntag, 18.01.2015

Sehr geehrter Herr Kottlorz,

wie alle Ihre Morgengedanken finde ich auch diesen wieder sehr anregend. Vor allem finde ich die Überschrift sehr schön und Ihre Formulierung, dass ein Prophet ein ganz von Gott beseelter Mensch sei, der Liebe und Wahrheit lehrt.

Auch bei den Vorfällen in Paris spielt(e) ja ein Prophet eine Rolle. Ich könnte mir vorstellen, dass ein solcher als Werkzeug Gottes zum einen (siehe Ihre Deutung „ganz von Gott beseelt“) nicht wie wir in der Welt der Projektionen verhaftet ist und zum andern häufig in Gleichnissen redet. Könnte es sein, dass Kampfaufforderungen eines Propheten, die es ja auch im Alten Testament zuhauf gibt, vielleicht nur anders „gelesen“ werden sollten? Könnte mit der Aufforderung zum Kampf gegen die Feinde ein Vorgehen gegen unsere eigenen Gegner – Kleinlichkeiten, alle möglichen Laster (unter Nichtbeachtung der zehn Lebensregeln in der Bibel), Falschheit, Besitzdenken, Hass, Streit, Ichbezogenheit – gemeint sein?

Dann ergäbe sich für mich ein tiefer Sinn solcher kämpferischer prophetischer Worte. Und sie hätten Bedeutung für uns alle, denn was im „Außen“ passiert, geht ja immer auch uns etwas an. Gelänge es uns, unser Ego ganz auszurotten, wären wir alle rückgebunden an Gott, von Gott beseelt (=religiös) und hätten eine friedliche Welt.

Freundliche Grüße
Eva Drescher


Save pagePDF pageEmail pagePrint page