Ich kann Euch nicht folgen!

Leserbrief von Ulrich Uffrecht an Campact zum Spendenaufruf Wir sind Charlie – wir sind nicht Pegida!

Liebe Campact-Leute,

vielen Dank für Eure E-Mail, die soeben hier einging!

Ich kann Euch aber nicht folgen!

Natürlich liegt mir PEGIDA meilenweit fern. “Gegen die Islamisierung des Abendlandes” kann nur jemand sein, der weder Kenntnis vom ursprünglichen Wesen des Islam hat, noch etwas von dem segensreich-befruchtenden Einfluss weiß, den der Islam in historischen Zeiten auf das Abendland ausgeübt hat.

Natürlich bin auch ich entsetzt über die Morde von Paris.

Indessen: Wer den Islam würdigt und respektiert, der muss auch anerkennen, würdigen und respektieren, dass es Dinge gibt, die den Anhängern dieser Religion heilig und unangreifbar sind  –  in erster Linie z.B. die Person ihres Propheten. Diesen in höchst geschmacklosen Karikaturen zu entwürdigen und zu verunglimpfen, ist eine äußerst grobe Taktlosigkeit, so groß, das sie in meinen Augen einem Verbrechen gegen die  –  bei uns grundgesetzlich geschützte  –  Würde des Menschen gleichkommt.
Ein solches Verbrechen mit dem Hinweis auf die bei uns garantierte Meinungs- und Pressefreiheit zu rechtfertigen, ist geradezu grotesk. *)

Wenn wir nach allem, was Charlie Hebdo sich sonst noch an schlimmen Entgleisungen geleistet hat, in Massen skandieren “Je suis Charlie!”, wenn wir zu Zehntausenden Schilder mit diesem Spruch herumtragen, und wenn wir nun auch noch millionenfach die Zeitschrift mit diesen und anderen gleichermaßen geschmacklosen Karikaturen kaufen, dann machen wir uns mitschuldig an diesem Verbrechen.

Bitte, habt Verständnis dafür, dass ich meinen Namen UNTER KEINEN UMSTÄNDEN auf Euren Unterschriftslisten sehen möchte!

*) Beiläufig sei darauf hingewiesen, dass der Freiheit der Meinungsäußerung auch bei uns Grenzen gesetzt sind, nicht nur in Art.5(2) GG, sondern auch durch mehrere Paragraphen des Strafgesetzes.

Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Uffrecht

 


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