Mohammed weint nicht

Leserbrief zur Mohammed-Karikatur des weinenden Mohammed und dem Leitartikel von Monika Rösch, BZ Politik S, 14. Gekürzt als “Wir müssen zusammenstehen – als Menschen” (veröffentlicht  am Sa, 24. Januar 2015 auf badische-zeitung.de)

Nein, Mohammed weint nicht – und er ist auch nicht Charlie! Ein Prophet steht über den Dingen und weiß um die verschiedenen Bewusstseinsebenen, aus denen heraus Menschen handeln. Deshalb hat Mohammed Liebe und Vergebung gelehrt (die Seelenebene) und zugleich zu Gewalt und Kampf aufgerufen, gegen den Ungläubigen in uns: unser Ego.

Es wird Zeit, dass „Christen, Juden und Moslems gemeinsam zusammenstehen“: Denn wir alle sind Teil EINER Religion – mit unterschiedlichen Glaubensbekenntnissen. Mohammed wusste das. Er lehrte, dass es nur EINEN Gott gibt. Die wahre Religion – das ist die Botschaft der Liebe Gottes, die alle Menschen eint. WIR ALLE SIND SEIN VOLK. Die Gleichheit der Seelen ist die Grundlage der Brüderlichkeit im Handeln. Die göttliche Freiheit ist nicht die des Egos, zu machen, was es will (obwohl es das darf!) sondern die Befreiung vom Ego, damit die Seele ihre eigene Göttlichkeit erkennen und zum Vater zurückkehren kann, wie es das Gleichnis vom verloren Sohn zeigt oder die Befreiung der Israeliten von der Knechtschaft der Ägypter.

Wer die heiligen Schriften nur dem Wortsinn nach liest, ist wie ein Grundschüler, der ein Gedicht auswendig lernt, ohne den Text zu begreifen. In der höheren Schule lernen wir den tieferen Sin zu begreifen – und Zusammenhänge zwischen verschiedenen Texten zu erkennen. Dazu brauchen wir Lehrer, die diesen Bewusstseinsschritt bereits „gemeistert“ haben – und eins sind mit Gott! Wer diese Propheten karikiert, verhöhnt sich selbst. Wer die Unwissenden tötet, hat die Botschaft nicht verstanden.

Die Botschaft Gottes ist nicht im weltlichen Sinne zu verstehen. Das gelobte Land ist kein Fleck auf der Weltkarte, der heilige Krieg nicht mit irdischen Waffen zu führen. „Wer hören will, der höre!“ – mit dem Ego, das uns zu Trennung und Feindschaft anstachelt aus Angst, oder dem feineren Gehör der Seele. Unterscheidung ist gefragt. Und die Entscheidung, auf wen wir „hören“ wollen. Folgen wir dem Vorbild unseres „kleinen Bruders Amerika“ und rüsten mit Misstrauen, Kontrolle, Feindseligkeit und Waffen auf. Oder finden wir einen anderen Weg der Liebe zur Einheit und zu Frieden in dem Bewusstsein, dass wir alle Brüder (weil Kinder Gottes) sind?

Auf uns kommt es nun an, die Hinterbliebenen. Ob wir nun wirklich zusammenstehen. Nicht als Christen, Moslems und Juden, sondern als Menschen. In Brüderlichkeit, Gleichheit und für die wahre Freiheit.


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